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Das Mühlirad ist 1995 aus der privaten Initiative durch Herrn und Frau Oosterveld als Lebensgemeinschaft entstanden. Bis ins Jahr 2000 lebte das Gründerpaar zusammen mit den zu betreuenden Menschen an der Landshutstrasse 16 in Utzenstorf.

Nach dem Auszug wurde das Platzangebot auf maximal neun Bewohner erhöht und es entstanden zusätzliche Werkstatträume und Beschäftigungsmöglichkeiten. Im Leitbild wurde die lebenspraktische Förderung bereits verankert. Die Bewohner*innen werden in sämtliche hauswirtschaftliche Aufgaben wie Kochen, Reinigen, Waschen, Einkaufen usw. integriert.

Nebst den Arbeiten im Haushalt wird handwerklich gearbeitet. Die dabei entstandenen Produkte aus der Holzwerkstatt, der Backwerkstatt oder der Kräuterwerkstatt werden auf diversen Märkten verkauft.

Die Freizeit bildet das dritte Element der Lebenszeit im Mühlirad. So stellen wir während der Arbeitszeit unsere Fähigkeiten in den Dienst der Mitmenschen und in den hauswirtschaftlichen Aufgaben befriedigen wir unser Bedürfnis nach Sauberkeit, Ordnung und Nahrung. In der Freizeit werden die persönlichen Bedürfnisse vorangestellt. Von kleineren Unternehmungen bis hin zu Reisen nach Monaco, Paris oder nach Holland durften wir zusammen erleben.

Ausgangspunkt aller Handlungen zur Erfüllung der Aufgabe bilden die Bedürfnisse der zu betreuenden Personen.

Nach der Trennung des Gründerpaares im Jahr 2008 und der Weiterführung von Frau Oosterveld mit Herr Ringier wurde von der Pionierphase zunehmend in die Strukturierungsphase übergegangen. Seitens der Behörden und um eine zeitgemässe Betreuung zu gewährleisten wurden immer wie mehr schriftliche und verbindliche Konzepte verlangt und eingeführt.

In den folgenden Jahren wurden immer wie mehr Bereiche in denen das Mühlirad tätig ist professionalisiert, konzeptioniert und dokumentiert. Für viele Aufgaben benötigt es spezielle Bewilligungen oder Zusatzausbildungen. So durfte z.B. jeder mit dem «Autobillett» den 14-Plätzer Bus fahren. Heute benötigt es die Prüfung Kat. D1, eine Fahrerqualifikationskarte (gültig nur mit periodischer Weiterbildung) und die elektronische Erfassung und Archivierung der Ruhezeiten. Der Mehraufwand zeigt sich auch in den Bereichen agogische Begleitung, Arbeitsrecht, Arbeitssicherheit, Berufsbildung (FaBe EFZ, Sozialpädagogik HF), Buchhaltung, Datenschutz, EDV, Facilitymanagement, Finanzen, Infrastruktur, Lebensmittelverarbeitung und Lagerung, medizinische Versorgung, Personalführung, Praktikum (Berufseinsteiger Begleitung), Reinigung, Tierhaltung, Verkauf, Wäscherei, Werbung usw. Die Behindertenpolitik ist ebenfalls einem radikalen Wandel ausgesetzt. Von den Betroffenen wird immer wie mehr Eigenleistung abverlangt. Aus verschiedenen Quellen ist zu vernehmen, dass zukünftig das Modell der Kleininstitution bis 20 Plätze nicht mehr zukunftssicher sein wird.

Das Wohl des Bewohners, des Kunden wird immer wie mehr von Politik, Behörden und Spezialisten bestimmt. Das System nimmt immer wie mehr Platz ein und die eigentliche Kernaufgabe wird immer wie mehr in den Hintergrund gedrängt. In der Form und Grösse wie das Mühlirad konzeptioniert ist können wir den stetig steigenden Anforderungen von aussen nicht mehr adäquat nachkommen und dabei auch noch die persönlichen Bedürfnisse der Bewohner*innen Erfüllen.

Hinzu kommt, dass im Mühlirad Menschen betreut werden, die durch ihre Verhaltensauffälligkeiten viel Engagement, Verständnis, Geduld und Standhaftigkeit von ihren Bezugspersonen verlangen. Geeignetes Personal zu finden, das sich diesen vielfältigen Anforderungen zu stellen bereit und ihnen auch gewachsen ist, wird durch den Fachkräftemangel, die nachlassende Arbeitsmoral und die immer wie höher bewerteten eigenen Bedürfnisse und Ansichten der Mitarbeitenden zur nahezu unlösbaren Aufgabe.

Für die ordnungsgemässe Erledigung dieser vielfältigen Vorgaben stehen uns zudem immer weniger finanzielle Mittel zur Verfügung.

Folglich liegen die mannigfaltigen Verantwortungen auf den Schultern von wenigen, von denen immer noch mehr, für immer noch weniger Entschädigung und Anerkennung, verlangt wird. Aus diesen Gründen haben wir uns entschlossen den Betrieb auf den 31. Dezember 2022 einzustellen.

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen die uns in irgend einer Form unterstützt haben für ihr Engagement ganz recht herzlich bedanken.

Die Institutionsleitung